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Exponat von europäischem Rang zieht ein: Große Windenarmbrust im Schlossmuseum

Der Ausbau des neuen Schlossmuseums auf dem Stiftsberg Quedlinburg schreitet sichtbar voran. Während in Teilen des Residenzbaus weiterhin restauriert wird und parallel die künftigen Ausstellungsräume Gestalt annehmen, ist bereits ein wichtiger Meilenstein erreicht: Ein außergewöhnliches Exponat, das zu den bedeutendsten Objekten der neuen Dauerausstellung zählt, befindet sich inzwischen an seinem endgültigen Platz.

Bei dem Exponat handelt es sich um eine große Windenarmbrust, auch als Balliste bezeichnet, aus der Mitte des 14. Jahrhunderts. Untersuchungen datieren das Eichenholz auf die Jahre 1334/35. Mit einer Länge von rund 2,78 Metern und einem Gewicht von etwa 150 Kilogramm gilt die Windenarmbrust nach heutigem Kenntnisstand als einzig erhaltenes Exemplar dieser Art in Europa und als Denkmal von europäischem Rang.

Das Exponat wird in einem Ausstellungsbereich gezeigt, der die Auseinandersetzungen des 14. Jahrhunderts thematisiert – unter anderem die Konflikte zwischen der Stadt Quedlinburg, dem Bischof von Halberstadt und den Grafen von Regenstein. Ob die Balliste einst als Trophäe nach Quedlinburg gelangte oder aus dem städtischen Arsenal stammt, lässt sich heute nicht abschließend klären. Unstrittig ist jedoch ihre militärtechnische Bedeutung: Groß dimensionierte Windenarmbrüste galten zur damaligen Zeit als moderne Wehrtechnik und wurden von erhöhten Positionen aus zur Verteidigung eingesetzt. Der nicht mehr erhaltene Bogen hatte eine geschätzte Spannweite von etwa 3,50 Metern. Die abgeschossenen Bolzen erreichten eine errechnete Länge von etwa 1,70 Metern, und das Spannen erfolgte mechanisch über eine Winde.

„Es ist ein besonderer Moment, wenn Objekte, nun tatsächlich ihren Platz in der Ausstellung finden“, sagt Uta Siebrecht, Leiterin der Städtischen Museen und Archive Quedlinburgs.

Die Einbringung des Exponats erfolgte aus konstruktiven Gründen bereits in einer frühen Phase des Ausstellungsausbaus. Das speziell für die Balliste entwickelte Podest sowie die individuell gefertigten Halterungen erlauben eine spätere Platzierung nicht mehr. Die Halterungen wurden von der Leipziger Firma Fißler & Kollegen, die mit der Exponateinrichtung beauftragt ist, passgenau vorgefertigt und gemeinsam mit dem Tischler in das noch im Aufbau befindliche Podest integriert. Das Ausstellungsmobiliar folgt einem eigens für jeden Raum entwickelten Gestaltungskonzept des Büros Space4 und verbindet schadstofffreie Holzkonstruktionen mit metallischen Oberflächen.

Der Ausstellungsbereich wird durch weitere Objekte, Bildmotive sowie ein Funktionsmodell ergänzt, das die technische Leistungsfähigkeit der mittelalterlichen Waffe veranschaulicht. In einem bewusst atmosphärisch gestalteten Raum bildet die große Windenarmbrust den Auftakt zu einem zentralen Kapitel der Ausstellung.

Mit dem Einzug des ersten Exponats wird ein weiterer Meilenstein auf dem Weg zur Wiedereröffnung des Welterbe Stiftsbergs Quedlinburg erreicht. Das neue Schlossmuseum wird ab dem 28. März 2026 Besucherinnen und Besuchern einen neuen, vertieften Zugang zur Geschichte des Ortes ermöglichen.

13.01.2026